Medizindrache Alexander Jahn
Chinesische & Japanische Medizin, NAET, Osteobalance

Warm durch die heißen Tage:
Die TCM kühlt im Sommer anders 

Viele Menschen wollen bei den hohen Sommertemperaturen gar nicht kochen, sondern am liebsten nur Kaltes und Rohes essen. Das ist verständlich, doch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kann das langfristig die Verdauungskraft (das „Verdauungsfeuer“) schwächen. Die Folge: Das Qi leidet, und paradoxerweise schwächen wir damit mitten im Sommer unser Immunsystem.

In vielen heißen Regionen der Erde (wie Ägypten, Südchina oder Indien) wird üblicherweise dreimal täglich warm gegessen – auch und gerade im Sommer. Die TCM empfiehlt das ebenfalls. Nur über eine warme, leicht verdauliche Kost kann der Körper ausreichend Qi und Säfte aufbauen, damit das haltende Yin und das körpereigene Yang im Gleichgewicht bleiben.

Das ist besonders wichtig, wenn Sie ohnehin zu Blähungen oder weichem Stuhl neigen. Das Gleiche gilt, wenn sich bereits zu viel „Feuchtigkeit“ im Körper angesammelt hat. Das erkennen Sie oft an einem verdickten Zungenbelag, Ödemen (Wassereinlagerungen), anhaltendem Übergewicht oder trägem Schleim.

Für Menschen mit einer solchen Tendenz zur inneren Schwäche (Leere-Konstitution) lauert im Sommer eine doppelte Gefahr: Durch zu starke Kühlung von außen löschen wir das ohnehin schwache Verdauungs-Yang der Mitte. Durch zu starkes Schwitzen wiederum erschöpfen wir die kostbaren Körpersäfte (das Yin).

Finden Sie hier das optimale Sommergetränk für Ihr persönliches Muster:


1. Sie schwitzen viel, fühlen sich ausgelaugt und das Wasser „rauscht einfach durch“?
→ Pfefferminz-Zitronen-Wasser (kalt angesetzt, aber zimmerwarm getrunken)

  • Sie verlieren bei Hitze zu viele Säfte. Sie haben Durst und trockene Schleimhäute, aber zugeführte Flüssigkeit bleibt nicht im Gewebe.
  • Minze kühlt sanft den Kopfbereich, während die saure Zitrone die Säfte zusammenzieht, bewahrt und das Yin im Körper hält.



2. Ihnen steigt im Sommer die Hitze direkt in den Kopf? (Rote, trockene Augen, Kopfdruck, juckende Kopfhaut)?
→ Chrysanthemen-Tee

  • Das kühlende Fundament im Körper ist zu leer. Die Sommerhitze sorgt dafür, dass die Energie (das Yang) unkontrolliert nach oben schießt.
  • Chrysanthemenblüten kühlen spezifisch die Augen und den Kopf, besänftigen das aufsteigende Yang, schonen dabei aber die sensible Verdauung der Milz.



3. Die Hitze drückt Ihnen auf den Magen? Sie fühlen sich schwer, träge und der Kopf ist wie vernebelt?
→ Pfefferminz-Tee

  • Ihre Mitte stagniert, und die Kombination aus Hitze und innerer Feuchtigkeit blockiert den klaren Geist.
  • Durch das kurze Aufkochen verliert die Minze etwas von ihrer rein oberflächlichen Kälte, wirkt dennoch stark Qi-bewegend in der Mitte. Sie befreit den Magen von Stagnation und klärt den Kopf. Tipp: Wegen der energetischen Schärfe bitte nicht wochenlang literweise trinken, um das Yin nicht auszutrocknen.



4. Kaum wird es heiß, blüht Ihre Haut auf? Es juckt und kribbelt überall, ohne dass Sie stark schwitzen?
→ Katzenminzen-Tee

  • Die Poren sind wie blockiert, „Wind“ sitzt in der Haut fest und die Sommerhitze triggert den Juckreiz – oft wie ein Sonnenbrandgefühl, selbst ohne direkte Sonne.
  • Katzenminze ist ein sanfter Wind-Beweger. Sie öffnet ganz leicht die Körperoberfläche (die Poren), um den Juckreiz und die gestaute Hitze sanft über die Haut auszuleiten.



5. Die Hitze macht Sie fahrig, extrem gereizt und bringt das Fass emotional zum Überlaufen?
→ Pfefferminz-Rosenblüten-Tee

  • Sie werden durch die Hitze nicht träge, sondern extrem gereizt, frustriert, leiden unter Spannungskopfschmerz, seufzen viel oder haben ein Engegefühl im Brustkorb. Möglicherweise ist die PMS unerträglicher als sonst oder ein Kloßgefühl im Hals nervt.  Die Hitze blockiert also den freien Fluss des Leber-Qi.
  • Pfefferminze ist scharf-kühl, bewegt das stagnierende Qi und klärt die Hitze aus Kopf und Augen. Kombiniert mit Rosenblüten harmonisieren sie die Leber-Bewegung. Rose bewegt das Qi, ohne zu wärmen, besänftigt das Gemüt und löst die Enge in der Brust.
  • Zubereitung: Je 1 Teelöffel Pfefferminzblätter und Rosenblüten mit heißem Wasser übergießen, maximal 3–5 Minuten abgedeckt ziehen lassen und lauwarm trinken.



6. Sie glühen wie ein Ofen, schwitzen Sturzbäche und haben unstillbaren Durst?
→ Mungbohnen-Wasser

  • Sie haben generell eher ein knallrotes Gesicht, laute Stimme, schwitzen Sturzbäche, haben kochend heiße Hände/Füße, oft Verstopfung, dunklen Urin und einen unstillbaren Durst auf eiskalte Getränke.
  • Hier liegt eine echte, solide Hitze-Fülle vor. Der Körper schafft es nicht, die Sommerhitze schnell genug auszuleiten. Das führt zu innerer Unruhe, Reizbarkeit und starkem Säfteverlust.
  • Mungbohnen sind in Asien das traditionelle Sommermittel schlechthin. Sie kühlen die Fülle-Hitze im Inneren drastisch ab, klären Sommerhitze, eliminieren Toxine (wichtig bei hitzebedingten Hautentzündungen) und leiten die Hitze sanft über den Urin aus, ohne den Magen anzugreifen.
  • Zubereitung: Eine Handvoll grüne Mungbohnen (aus dem Bioladen) in 1 Liter Wasser für ca. 15–20 Minuten kochen, bis das Wasser sich grünlich-klar färbt (die Bohnen müssen noch nicht völlig zerkocht sein). Das Wasser absieben, abkühlen lassen und über den Tag verteilt zimmerwarm trinken.




Für robuste Konstitutionen ohne Magen-Darm-Schwäche oder innerer Anspannung oder konstitutioneller Hitze
Wenn Sie die Hitze einfach nur als anstrengend empfinden, normale Stuhlgang haben und keine Feuchtigkeitszeichen (wie Ödeme) zeigen, können Ihnen die folgenden Rezepte die heißen Tage spürbar erleichtern.
Auch bei Ihnen schwindet mit jedem heißen Tag die kühlende Reserve des Körpers – das Yin. Wenn dieses Fundament schwindet, verliert das Yang seinen Anker. Die Folge sind unruhiger Schlaf in der Nacht sowie Kreislaufstörungen, Erschöpfung, Antriebsmangel, unstillbarer Durst oder ein ständig trockener Mund am Tag.


Rezept 1: Yin-stützender Sommersmoothie
Zutaten (für 1 Portion):
• 300 g frische Wassermelone (Tipp: Schneiden Sie ruhig etwas von der weißen Rinde mit ab – sie verstärkt die Hitze-ausleitende Wirkung der Melone erheblich!)
• 8–10 frische Minzblätter
• Saft einer halben Limette
• 1 kleine Prise Meersalz (um den Elektrolytverlust auszugleichen)
• Optional: 200 ml lauwarmes Wasser für eine leichtere Variante
Zubereitung:

  1. Wassermelone in grobe Stücke schneiden.
  2. Die restlichen Zutaten hinzufügen und im Mixer pürieren.
  3. Das Getränk sollte Raumtemperatur haben oder maximal leicht gekühlt sein – niemals eiskalt. Eiskalte Getränke schocken die Verdauungsorgane. Der Körper muss dann unter hohem Energieaufwand „Gegenhitze“ erzeugen, was Sie am Ende nur noch mehr schwitzen lässt.
  4. Genussvoll und langsam trinken.

Wichtiger Hinweis: Dieses Rezept ist ungeeignet für Personen mit einer blassen Zunge, einem dicken weißen Zungenbelag, chronischem Durchfall, ausgeprägter Kälteempfindlichkeit oder Diabetes.

Rezept 2: Erfrischendes Sommerwasser (Die mildere Alternative)
Dieses Wasser schont die Verdauungsmitte durch eine leicht wärmende Komponente etwas mehr als das reine Melonen-Rezept.
Zutaten:

  • Einige Streifen Bio-Gurkenschale
  • 1 Handvoll Erdbeeren & 1 Handvoll Himbeeren
  • 1 kleines Stück Wassermelone (fein geschnitten)
  • 2 Zweige frische Pfefferminze (leicht zwischen den Fingern zerdrückt)
  • 1 dünne Scheibe frischer Ingwer
  • 1 Liter Wasser

Zubereitung:
Geben Sie alle Zutaten in einen großen Krug und gießen Sie sie mit einem Liter zimmerwarmem Wasser auf. Mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.
Der Clou: Die kleine Scheibe Ingwer balanciert die stark kalte Thermik der Früchte und der Gurke perfekt aus. So wird die Hitze gekühlt, aber Ihr Verdauungstrakt bleibt geschützt.


Kommen Sie gut durch diesen übermäßig heißen Sommer, der durchaus zu einem doppeltem Feuer Jahr - Feuer-Pferd - passt.


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