Medizindrache Alexander Jahn
Chinesische & Japanische Medizin, NAET, Osteobalance

Zwei Welten, ein Messwert: Warum Bluthochdruck nicht gleich Bluthochdruck ist

Wenn in der westlichen Medizin ein Blutdruck von 150/95 mmHg gemessen wird, lautet die Diagnose fast immer gleich: Hypertonie. Die Standardtherapie folgt meist einem festen Schema aus Betablockern, ACE-Hemmern oder Sartanen. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) greift das jedoch zu kurz. Denn der starre Messwert verrät uns noch nichts über den tatsächlichen energetischen Zustand des lebendigen Organismus. Hier zeigt sich die ganze Genialität der Pulsdiagnose, die zwei völlig unterschiedliche Ursachen entlarven kann:

1. Die klassische Fülle-Hypertonie
Sie entsteht meist durch emotionalen Stress, anhaltenden Ärger oder gestaute Energie (ein sogenanntes Aufsteigen von Leber-Yang oder Leber-Feuer). Im Pulsbefund zeigt sich dies unmissverständlich:

  • Deutlich saitenförmig und gespannt: Der Puls fühlt sich unter den tastenden Fingern an wie eine stramme, hart gezogene Gitarrensaite.
  • Voll und kräftig: Er leistet einen spürbaren, harten Widerstand gegen den Fingerdruck – besonders auf der mittleren Position der linken Hand.

2. Die reaktive Leere-Hypertonie
Hier liegt das genaue Gegenteil vor: Ein „fliehendes Yang“ bei akutem Substanzmangel. Die Gefäße sind eigentlich leer – deshalb tastet sich der Puls hier dünn, fadenförmig und schwach. Weil das Blut und die tiefe Substanz (Yin) im Unterkörper fehlen, verankern sie die dynamische Energie (Yang) nicht mehr.
Ist dann auch noch die energetische Mitte blockiert, kommt es zu einer energetischen Spaltung: Das ungebundene Yang flüchtet komplett nach oben. Es entsteht eine Zentralisation – der Kopf glüht, der Blutdruck schießt auf 150/100 mmHg hoch, während die Extremitäten mangels Qi und Blut regelrecht „einfrieren“, eiskalt und kraftlos werden.
Gibt man nun in dieses Leere-System einen klassischen Blutdrucksenker, nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Die Medikamente versenken das ohnehin schwache Yang komplett. Der Tastbefund verrät sofort die wahre Natur des drohenden Kollapses, doch oft werden nur die Messwerte therapiert statt des Menschen.

Das Prinzip: Systole (Yang) und Diastole (Yin)
Besonders bei der diastolischen Hypertonie (wenn der untere Wert erhöht ist) im Rentenalter kollidieren die beiden Medizinsysteme. Aus Sicht der TCM ist dieses Phänomen absolut logisch erklärbar.
In der westlichen Kardiologie repräsentiert der obere, systolische Wert den Druck während des Herzschlags (die dynamische Kraft). Der untere, diastolische Wert zeigt den Dauerdruck im Gefäßbett während der Entspannungsphase des Herzens.

  • Die TCM-Übersetzung: Die Systole ist primär die Yang-Komponente (die Auswurfleistung des Herzens). Die Diastole ist die Yin- und Blut-Komponente (die Elastizität, Füllung und Entspannungsfähigkeit der Gefäße).

Warum die diastolische Hypertonie bei Substanzmangel entsteht
Wenn wir älter werden, schwinden die tiefe Grundsubstanz und das Blut ganz natürlich. Wenn dann ein dünner, schwacher Puls vorliegt, passiert Folgendes:

  1. Verlust der Elastizität: Wenn Blut und Säfte im System fehlen, werden die Gefäße nicht mehr ausreichend befeuchtet und genährt. Sie verlieren ihre Geschmeidigkeit, werden trocken und starr. Sie können sich in der diastolischen Phase nicht mehr richtig entspannen und verharren in einer permanenten Dauerspannung.
  2. Der Notfallplan des Körpers: Ein dünner, schwacher Puls signalisiert dem Gehirn einen permanenten Versorgungsnotstand aus der Peripherie. Da die Kraft der Mitte und das Herz-Blut zu schwach sind, um eine große, nährende Welle durch den Körper zu bewegen, zieht der Organismus die Gefäße mechanisch eng. Er tut dies, um den zentralen Druck aufrechtzuerhalten und das Gehirn vor Sauerstoffmangel zu schützen. Der diastolische Druck schießt hoch.

Die westliche Medikations-Spirale
Folgt nun die Standardtherapie, wird es oft chronisch:

  • Ein Betablocker bremst das ohnehin schwache Herz aus. Die Pumpleistung sinkt, der Puls wird noch dünner.
  • Die Peripherie schreit jetzt noch lauter nach Nahrung. Dem Patienten wird schwindelig, er wird müde, und die Energie der Mitte sackt weiter ab.
  • Als Gegenregulation wirft der Körper erst recht den Sympathikus (das Stressnervensystem) an, um die Gefäße noch enger zu stellen. Der diastolische Wert bleibt stur oben.
  • Die Dosis wird erhöht oder ein Diuretikum ("Wassertablette") hinzugefügt. Dieses trocknet die ohnehin knappen Säfte im Körper noch weiter aus. Am Ende steht ein völlig erschöpfter Mensch mit eiskalten Händen und Füßen – medikamentös bedingt.

Der Ansatz der TCM: Nähren statt Ausbremsen
Wenn wir die energetische Mitte stärken, baut der Körper neues Blut auf und füllt die tiefe Grundsubstanz der Nieren wieder auf. Die Gefäße erhalten ihre materielle Nahrung und Elastizität zurück. Das System muss nicht mehr panisch eng stellen – der diastolische Druck sinkt von ganz alleine, und der Puls bekommt wieder Breite und Substanz.
Die chinesische Medizin bietet hierfür viele wunderbare Wege: Akupunktur, Kräuter-Dekokte (Abkochungen), Moxibustion, Schröpfen, Qi Gong oder die Aroma-Akupunkt-Therapie. Der einfachste und nachhaltigste Einstieg liegt jedoch in unserer täglichen Nahrung: der Diätetik.
Essen müssen wir täglich. Wenn wir die Ernährung so an Ihren Körper anpassen, dass er wieder physiologisch das tun kann, wofür er gemacht ist, bereiten wir „das Feld“. Selbst wenn die Ernährungsumstellung allein nicht ganz ausreicht, sorgt sie dafür, dass nachfolgende Therapien – wie eine individuelle Kräutertherapie – umso kraftvoller greifen können.

Sollten bei Ihnen also die Blutdruckwerte (oder auch nur der untere Wert) zu hoch sein – egal ob unbehandelt oder bereits medikamentös eingestellt – und Ihr Puls fühlt sich dünn und schwach an, dann lassen Sie diesen energetischen Zustand von einem Therapeuten Ihres Vertrauens prüfen.
Sehen Sie den folgenden Plan bitte als Orientierungshilfe und Einstieg. Er ersetzt keine individuelle Diagnose, zeigt Ihnen aber die Richtung, in die Ihre Reise zu mehr Elastizität und innerer Stärke gehen kann. Da sich jeder Mensch unter einer Therapie individuell entwickelt, braucht es im Verlauf immer wieder angepasste „Leitplanken“.

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