Maske oder Attest?

Wir werden noch einige Zeit mit den Mund-Nasen-Schutz-Masken verbringen. Deshalb stelle ich hier, angeregt von einem Interview von Medscape mit dem Chief Medical Officer der American Lung Association, Dr. Albert Rizzo, meine medizinisch begründete Sicht auf das Maskentragen dar.

 

 

Ein Einstellungsproblem

Die Mund-Nasen-Schutz-Maske in öffentlichen Räumen wie Bahnen, U-Bahnhöfen, Ladengeschäften, etc., zu tragen ist Teil eines unausgesprochenen, gesellschaftlichen Vertrages des gegenseitigen Schutzes „Ich schütze Dich mit meiner Maske, Du mich mit Deiner.“

Wer die Maske nicht oder nicht korrekt trägt (Maske als Bart- oder Kinnschutz, Nase ganz oder teilweise draußen; also so, dass der ganze Atemdampf ungefiltert der Maske entweicht), dokumentiert auf diese Weise öffentlich seine antisoziale Einstellung. Die anderen sind Ihnen wurscht!

 

 

Ich bekomme keine Luft unter der Maske!

Viele Lungenpatienten haben diesen Eindruck, sobald etwas vor dem Mund und der Nase ist. Das ist bei den allermeisten eine reine Kopfsache, vor allem, wenn sie als erste Maske nicht die dünnen Einmal-Masken, sondern die dicken selbstgemachten Masken benützt haben.

Manche von Ihnen hätten selbst im Winter gerne einen Ventilator vor der Nase – Atemnot als eine reine Kopfsache.

Die üblichen Einmal-Mund-Nasen-Schutz-Masken schränken, wie sich in Messreihen gezeigt hat, den Sauerstoffgehalt im Blut in den allermeisten Fällen nicht ein. Dennoch sollte man diese Patienten mit ihrem Gefühl ernst nehmen und ihnen helfen, dass sie sich mit der Zeit an die Maske gewöhnen und erleben, dass diese nicht wirklich ein Problem darstellt.

 

Wenn Sie exakt dieses Problem haben, wie gehen Sie damit um?

Setzten Sie zuhause eine Einweg-Maske auf und spüren Sie, wie es sich anfühlt – ganz ohne Vorurteil. Behalten Sie sie 20 Minuten auf und lesen dabei ein Buch oder sehen Sie eine Fernsehsendung, die Sie mögen. Steigern Sie die Zeit, in der Sie die Maske korrekt aufgesetzt haben täglich um 10 Minuten.

Brauchen Sie mehr Überzeugungskraft und Sicherheit? Dann fragen Sie Ihren Hausarzt, ob er Sie in seiner Praxis mit Maske und Pulsoxymeter hinsetzen kann. Dann können Sie auch „schwarz auf weiß“ sehen, dass Sie, trotz Maske, ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind.

So können Sie schon bald bereits problemlos mit Maske einkaufen gehen, U-Bahn-Fahren, etc.  – vor allem, da Sie in Deutschland die Maske im Freien (noch nicht) tragen müssen und somit immer wieder auch unbehinderte „Maskenpausen“ haben.

 

Do-It-Yourself-Masken und FPP2- oder FPP3-Masken:

Diese sind bisweilen sehr dicht und müssen eng abschließend getragen werden, so dass hier manche Personen tatsächlich Atemschwierigkeiten haben können. Werden diese nicht ertragen, so greifen Sie zu den leichteren OP-Einmal-Masken.

 

 

Manche können tatsächlich keine tragen

Bei einigen wenigen Patienten können tatsächlich die Sauerstoffwerte durch die Maske absinken, auch durch die leichten Einmal-Masken. Diese zählen allerdings zu den Höchst-Risiko-Gruppen, die durch COVID-19 massiv gefährdet sind. Diese sollten, wenn sie keine Maske tragen, unbedingt zuhause bleiben.

Machen Sie sich klar, dass Sie die Vorteile und Risiken des Tragens einer Maske und Ihrer möglichen Atemnot gegenüber einer möglichen Exposition mit dem Coronavirus abwägen müssen.

 

Übrigens: Ein Schutz aus Plexiglas ersetzt nicht einen Mund-Nasen-Schutz! Er reduziert die direkte „Anspuck-Rate“, aber feine Tröpfchen können immer noch von Ihnen in die Atemwege von anderen gelangen und umgekehrt!

 

 

Ich bin jung – Covid-19 macht mir nichts aus: Ich brauche keine Maske!

Das ist aus 2 Gründen definitiv falsch

 

Zum einen scheinen jüngere Erwachsene mit COVID-19 weniger oder keine Symptome zu haben. Sie tragen das Virus allerdings eventuell in sich und übertragen es unwissentlich. Damit sind sie eine deutliche Gefahr für ihre Umwelt. Menschen, die aus medizinischen Gründen tatsächlich keine Masken tragen können und dringend in die Öffentlichkeit müssen, z. B. zu einem dringenden Arztbesuch, sind auf den Schutz durch die Allgemeinheit angewiesen.

Die Alte, 3 Straßen weiter – die stirbt doch eh bald! Aber sie ist vielleicht jemandens Mutter oder Oma. Oder möchten Sie, dass jemand über Sie sagt: „Der / Die ist zwar noch jung, aber irgendwann stirbt er / sie eh!“?

 

Zum anderen können auch bei Zwanzigjährigen, die bislang gesundheitlich nicht besonders in Erscheinung getreten sind, intensive Verläufe stattfinden, wie wir es jetzt von den USA lernen, wo nach Corona-Infekt Zwanzigjährige sterben oder auf der Lungen-Transplantationsliste landen.

 

 

Corona ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen – auf in Deutschland nicht!

Eine kürzlich veröffentlichte Nachbetrachtung der Situation von Februar bis Mitte April in deutschen Krankenhäusern (1) zeigt, dass 22 Prozent aller hospitalisierten COVID-19-Patienten verstarben; im Detail: 53 Prozent Patienten mit Beatmung (17 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patienten) und 16 Prozent ohne Beatmung (83 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patienten) .

 

 

Zusammenfassung

Der Vergleich mit Ländern wie USA und Brasilien zeigt uns auch ohne randomisierte-doppelblinde Studien, dass Masken-tragen hilft, die Infektionsrate deutlich zu reduzieren.

Warum wollen manche für ein bisschen - durchaus verzichtbare – Bequemlichkeit, das Leben Ihrer Mitmenschen gefährden?

 

 

Konkret

Wollen Sie das Leben der Menschen in Ihrer Umgebung gefährden, nur weil Sie zu faul sind, einen leichten Mund-Nasen-Schutz korrekt zu tragen?

 

 

Was zu tun ist

1.       Maske bedeckt Mund UND Nase!

 

2.       Sie wird so getragen, dass sie oben an Nasenrücken und unter den Augen mit der Haut abschließt. Hierfür ist meist ein formbarer Metallbügel in den Masen angebracht. Dieser ermöglicht die Anpassung der Maske an das eigene Gesicht. Unangepasst oder auf der Nasenspitze getragen macht die Maske sinnlos. Dann trügen Sie die Maske nur zum Schein. Beim Atmen würden Sie die Viren nur ein etwas weniger heftig in die Umwelt blasen.  

 

3.       Liegt die Maske seitlich zumindest locker an den Wangen an, so blasen Sie Ihre Atemluft auch nicht Ihrem Nachbarn ins Gesicht.

 

4.       Masken dort tragen, wo sie derzeit gefordert werden – auch in unterirdischen Bahnhöfen.

 

Nie war es so leicht, ein gewisses Mindestmaß an sozialer Verantwortung zu zeigen.

Maskentragen ist ein Zeichen des Minimal-Respektes seinem Nächsten gegenüber – und wenn der fehlt…

 

 

(1) https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(20)30316-7/fulltext